Brotkrumenpfad

07.07.2020

Netzwerk-Metaanalysen: kein Ausgleich für schwache Evidenz

BMJ-Publikation unter IQWiG-Federführung: Gute kontrollierte Studien und individuelle Patientendaten Voraussetzungen für aussagekräftige Biologika-Vergleiche

Seit etlichen Jahren gibt es zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zahlreiche Biologika. Welche Vor- und Nachteile haben die einzelnen Wirkstoffe in Kombination mit Methotrexat gegenüber den anderen? Bei einer derartig häufigen Erkrankung eine Frage von großer praktischer Bedeutung, die dennoch schwer zu beantworten ist – nicht zuletzt, weil in den meisten Studien, die für die Zulassungen durchgeführt wurden, in den Vergleichsarmen keine anderen Biologika eingesetzt wurde.

Ein Autoren-Team unter Federführung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat nun im British Medical Journal eine systematische Übersichtsarbeit veröffentlicht, in der es die in den Einzelstudien fehlenden Vergleiche mit dem Instrument der Netzwerk-Metaanalyse (NMA) zu rekonstruieren versucht hat. Die NMA sollte vor allem zwei Mängel der bisherigen Metaanalysen zum selben Thema beheben: die Verwendung veralteter Endpunkt-Definitionen und den Vergleich allzu heterogener Gruppen von Patientinnen und Patienten.

Wie aus der Arbeit und einem zeitgleich veröffentlichten „Opinion Piece“ deutlich wird, vermag auch eine noch so rigorose NMA Mängel in den zugrunde liegenden Studien nicht vollständig zu beheben. Dank der Reanalysen von individuellen Patientendaten, die von den Studiensponsoren für diese Bewertung des IQWiG durchgeführt wurden, ließ sich zumindest die Mehrzahl der vorhandenen Studien in die Netzwerk-Metaanalyse einschließen. Deshalb konnten erstmals auch relevante Endpunkte gemäß den aktuellen Definitionen in einer solchen Analyse untersucht werden. „Nur individuelle Patientendaten machen maßgeschneiderte Reanalysen möglich“, so Beate Wieseler, Leiterin des Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG. „Diese Daten sollten der Forschung routinemäßig zur Verfügung stehen. Damit können die Erkenntnisse aus einzelnen Studien einen sehr viel größeren Beitrag zu einer besseren Versorgung von Patientinnen und Patienten leisten.“


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